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Zwischen Tradition und Innovation
Zwischen Tradition und Innovation
Zuschauer an der Rennstrecke
Die flyeralarm Ruder Bundesliga nimmt Fahrt auf für ihre 3. Saison

Nicht nur der Melderekord bei den Frauenachtern mit einer vollen Liga hat dazu geführt, dass der Veranstalter alle kritischen Stimmen widerlegt

Wäre die RBL eine Aktie, so würden ihre Anleger in der kommenden Saison auf jeden Fall weiter an ihr festhalten, denn  die Achter-Liga ‘made in Germany‘ bleibt bei Vereinen weiter hoch im Kurs. Als frisches Eventformat wird sie auch in den kommenden Monaten erneut spannenden und emotionalen Rudersport in ganz Deutschland präsentieren.

45 Achter aus nahezu dem gesamten Bundesgebiet haben ihren Lizenzstatus verlängert oder neu beantragt und werden in zwei Männer- und einer Frauenliga die jeweiligen Arenen auf der Deutschlandtournee zum Kochen bringen. „Wir sind mit dem Meldeergebnis sehr zufrieden. Wir haben die starken Bootszahlen aus dem Vorjahr halten können und freuen uns, das Projekt Bundesliga gemeinsam mit Ausrichtern und Mannschaften in den kommenden Monaten Stück für Stück weiterzuentwickeln. Da wir die Quantität gehalten- und die Qualität weiter gesteigert haben, sind wir als Veranstalter wirklich sehr stolz über das entgegengebrachte Vertrauen und die damit einhergehende Bestätigung unserer Arbeit“, blickt der 29jährige Geschäftsführer Nils Budde optimistisch auf das anlaufende dritte Jahr.

Während alle Boote aus der 1. Bundesliga ihren sportlich erworbenen „Erstligastatus“ aus der Vorsaison im Rahmen des Lizenzierungsverfahrens Anfang des Jahres bestätigt haben, gab es in der 2. Bundesliga einige Umschichtungen. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass die Qualität in der 2. Bundesliga weiter ansteigt. Tendenziell schwächere Teams haben abgemeldet, da mittlerweile auch in der 2. Liga ein starkes Grundniveau an Leistungsfähigkeit Einzug erhalten hat. Während die schwächer strukturierten Teams wie Marburg, Osnabrück 2, Bramsche, Angaria Hannover ihre Kader nicht mehr zusammenstellen konnten, haben einige neue Teams wie Kassel, Pirna und Berlin die Herausforderung Achtersprint angenommen.

Einen Melderekord hat es indes bei den Frauenachtern gegeben. Hier sind mit 16 Achtern nun 25% mehr Boote als im Vorjahr am Start. Beobachtet man die Meldefelder bei den Frühjahrs-Klassikern bei den Langstreckenregatten in Amsterdam oder London, an denen 80 bzw. bei letztgenannter Veranstaltung insgesamt 300 nationale und internationale Frauenteams an den Start gehen, sollte in den kommenden Jahren auch in Deutschland die Marke von 30 bis 50 Achtern in der Bundesliga erreichbar sein. „Wir freuen uns aber schon jetzt riesig, dass wir innerhalb von zwei Jahren 15 Frauenachter mobilisieren konnten. Dies ist ein sehr guter Trend für den Frauenrudersport, den wir auch weiterhin nachhaltig fördern und weiterentwickeln wollen. Perspektivisch ist es bis zur 2. Liga der Damen kein großer Schritt mehr. Grundsätzlich muss man sagen, dass immer mehr Vereine die Zeichen der Zeit erkennen und die lange vernachlässigte Zielgruppe der Sportlerinnen und Sportler im Alter zwischen 18 und 40 Jahren über das Bundesliga-Konzept nun wieder angemessen unterstützen“, so RBL-Mitarbeiterin und Sozialpädagogin Katja Schindler.

Blickt man auf die noch fehlenden starken Ruderclubs mit großen Namen, die ihre Kader erst zusammenstellen bzw. völlig neu aufbauen müssen, sieht das Potenzial für die RBL richtig rosig aus. Hier seien klingende Hochburgen wie Potsdam, Leipzig, Halle und Rostock sowie große Clubs aus  Kiel, Stuttgart etc. genannt. Insbesondere im Süden und Osten Deutschlands führen die RBL-Organisatoren intensive Gespräche, um das Clubrudern im Achter salonfähig zu machen. Und die positive Nachricht ist, dass an allen Orten die Köpfe rauchen, um im „Konzert der Bundesliga“ mit dabei zu sein. Nur gemeinsam mit den Clubs kann die flyeralarm Ruder-Bundesliga das Image des Rudersports in der Bevölkerung aufpolieren.

„Die Vereine haben die RBL mittlerweile in großer Anzahl als Plattform entdeckt, den Rudersport wieder zeitgemäß für die jugendliche und jung gebliebene Zielgruppe sowie den Zuschauern zu präsentieren. Der olympische Sport ist selbstverständlich auch weiterhin immens wichtig, aber die Bundesliga stellt das viel zu lange vermisste Format dar, mit dem die mühsam ausgebildeten Nachwuchskräfte im Vereine gehalten werden können. Ein frisches Eventformat mit elektronischer Clubmusik hat dazu geführt, dass die ersten das Achter-Rudern wieder als Lifestyle und Lebensgefühl empfinden“, so Sportmanager Budde über den Bundesliga-Boom der letzten Jahre.
Die Bundesliga ist zwar noch kein allgemeiner Trendsport, aber auf jeden Fall ein fühlbarer Trend im Rudersport, der viele neue Sportler in den Sport lockt und, als positiven Nebeneffekt, auch viele ehemalige Athleten zurück in die Clubs holt, die schon lange als verloren galten. In der Saison 2011 werden an die 200 aktive und ehemalige Kadersportler eine ruderische Qualität und Quantität in die Bundesliga bringen, die in Europa ihres gleichen sucht. Und auch der Nachwuchs drängt mittlerweile in die Bundesliga. Die Nachfragen nach einer eigenen Junioren-Liga, die den jungen Athleten ein attraktives Rennformat als Ergänzung zum 2000-Meter-Mitteldistanz-Rudern anbietet, häufen sich.

Wo so viel Dynamik, Energie und Emotion entsteht, werden natürlich auch die Sponsoren und Partner aus der Wirtschaft vermehrt angelockt. Auch dies ist ein positiver Trend, dass die Vermarktung der einzelnen Teams sukzessiv voranschreitet und der Rudersport als attraktive Plattform für den Transport der einzelnen Unternehmensideen genutzt wird.

Auch im Themengebiet Vereinsentwicklung und Marketing nimmt das Boot der RBL an Fahrt auf. Mit den mittlerweile bis zu 15 Mitarbeitern in der Geschäftsstelle in Hannovers Innenstadt werden die RBL-Clubs individuell beraten und bei ihren Marketing-Aktivitäten gezielt unterstützt. Ob über das brandneue Bundesligamagazin oder die Homepage www.ruder-bundesliga.de, die zum Saisonstart ein neues Design bekommt, erzielen die Clubs immer größere Reichweiten, um sich selbst und die Faszination Rudern attraktiv in Szene zu setzen.

Spannend ist natürlich auch der weitere Blick die Zukunft der Bundesliga, bei der die Organisatoren mit weiterem Wachstum rechnen. Auch ein internationaler Europacup ist in Planung und wird so schnell wie möglich kommuniziert und umgesetzt. Motivation ist hierbei die Tatsache, dass der Sprint mehr und mehr in den Fokus von FISA und IOC rückt und damit auch in absehbarer Zeit olympisch wird, da viele andere Sportarten diesen Weg bereits mit erfolgreich gegangen sind.

Nachholbedarf haben die deutschen Clubs sicherlich noch an der flächendeckenden Betreuung der Bundesliga-Mannschaften durch gut ausgebildete Trainer und Steuerleute. Fakt ist, dass die Strukturen in den Vereinen noch weiter  ausgebaut und entwickelt werden müssen, damit an erfolgreichen Wettkampfformaten wie beispielsweise der Bundesliga auch erfolgreich teilgenommen werden kann. Am Ende profitieren schließlich die Vereine von der neuen nationalen Showbühne Bundesliga.

Autor: Arne Simann


Wir dürfen uns nicht zurücklehnen
Wir dürfen uns nicht zurücklehnen
Rennen
Im Editorial der Verbandszeitschrift „Rudersport“ in der Ausgabe 02/2011 schreibt der Ressortvorsitzender Wettkampfwesen des Deutschen Ruderverbandes (DRV) Dr. Dag Danzglock: „Für Pessimisten unerwartet geht die Ruder-Bundesliga in das dritte Jahr. Hier hoffen wir, dass die Zahl der teilnehmenden Achter weiter gesteigert werden kann. In jedem Fall hat das Achter-Rudern in Deutschland mit der RBL an Bedeutung gewonnen.“ Welche Perspektiven räumen die Initiatoren der flyeralarm Ruder-Bundesliga (RBL) ihrem Liga-System selbst ein? Fragen zum Konzept, zu Inhalten und Zielen beantwortet Mit-Initiator Nils Budde der Redaktion vom Bundesligamagazin 2011 im Interview.

Die Bundesliga hat augenscheinlich auch im dritten Jahr nicht an Attraktivität verloren. Wie würden Sie die Ziele der RBL aus Veranstaltersicht hierarchisch formulieren?

Nils Budde:
Die RBL verfolgt primär das Ziel, jungen Sportlerinnen und Sportlern im Alter zwischen 19 und 40 Jahren ein attraktives Wettkampfangebot anzubieten. Die Bundesliga schließt damit die Lücke zwischen Hochleistungs- und Breitensport. Blickt man auf die Mitgliederentwicklung in den Vereinen, so hat der Deutsche Ruderverband im Altersbereich der 19 bis 26-jährigenMitglieder in den letzten zehn Jahren Rückgänge von bis zu 35% verkraften müssen. Diese Ruderinnen und Ruderer in den Vereinen zu halten bzw. wieder zurückzuholen war und ist eines der primären Ziele der RBL. Wir sehen das Projekt zweifellos als Maßnahme der Vereins- und Verbandsentwicklung an.

Ein Projekt dieser Größenordnung und Tragweiter muss natürlich auch finanziert werden. Und so gilt es, betriebswirtschaftlich im dritten Jahr „schwarzen Zahlen“ zu schreiben. Hier liegt die Zielsetzung natürlich in der Sponsorengewinnung und der Akquise weiterer Mittel.

Nachdem wir als Veranstalter die Zahl der teilnehmenden Mannschaften stabil auf einem hohen Niveau von 45 Mannschaften halten konnten, kann es nur das Ziel sein, diese Zahl in den nächsten Jahren weiter zu steigern. Sieht man sich Veranstaltungen wie das Langstreckenrennen „Head oft he River Race“ in London mit über 300 teilnehmenden Frauenachtern aus England und Europa an, so scheint diese Zahl durchaus realistisch.

Darüber hinaus  geht es nach wie vor darum, eine attraktive Wettkampfform zu finden, die auch den Vorstellungen der Medien entspricht und den Rudersport mehr in die Öffentlichkeit bringt. Die Bundesliga in ihrer derzeitigen Form verkörpert Rudern als Lifestyle und das Achter-Rudern als neues Lebensgefühl. Hierfür wollen wir als Veranstalter neue,  attraktive Innenstadtstrecken erschließen. Ein neues Projekt im Berliner Humboldthafen am Berliner Hauptbahnhof mit einem internationalen Event als Europacup ist daher bereits in Planung.

Sie sprechen davon, dass die neue Wettkampfform für die Öffentlichkeit sehr interessant sei. Was macht die RBL für die Zuschauer so besonders? 

Nils Budde:

Natürlich orientieren wir uns mit der RBL an modernen Sportevents. Nennen Sie mir eine nachgefragte Zuschauersportart, die ohne Inszenierung auskommt? Die Eventbesucher möchten unterhalten werden. Die Rennen der RBL gestalten sich kurzweilig und werden mit Spannungs-, Renn- und Jubelmusik akzentuiert. Es geht um ein abwechslungsreiches, spannendes und unterhaltsames Entertainment, das unabhängig von den sportlichen Ergebnissen und Darbietungen Interesse erzeugt. Wir wollen einerseits ruderfremdes Publikum an die Rennstrecken locken, aber auch unter den teilnehmenden Vereinen eine Fankultur entstehen lassen, die für eine entsprechende Atmosphäre in den „Arenen“ sorgt.
Wo findet sich das traditionelle Rudern in der RBL wieder, von einer Kraft-Ausdauersportart kann man bei 350m schließlich nicht mehr reden?

Nils Budde:
Die Kurzstrecke ist in Teilen sicherlich eine neue Sportart. Zieht man einen Vergleich zur Leichtathletik, so ist der 400 Meter Sprinter sportphysiologisch nicht mit einem 3.000 Meter-Läufer vergleichbar. Eine ähnliche Erfahrung macht aktuell der Deutsche Kanu-Verband, da die Kurzstrecke als Distanz ins olympische Programm aufgenommen wurde. Dort entwickeln sich zwei Nationalmannschaften, die sich jeweils auf die unterschiedlichen Distanzen spezialisieren; ein ähnlicher Schritt wäre auch im Rudersport zu erwarten. Die Trainingswissenschaft im Rudersport ist bis dato auf die derzeitige olympische Distanz von 2.000 Metern ausgelegt. Dass eine Umorientierung durchaus möglich und auch sinnvoll ist, haben die Kanurennsportler vorgemacht. Es gibt jedoch aktuell im Rudersport noch keine ausreichende Trainingswissenschaft, die explizit auf die Kurzstrecke ausgelegt ist.

Mit der RBL haben sie den Nerv der Leistungssportler getroffen. Ist die RBL als Konkurrenz für den Hochleistungssport?

Nils Budde:
Zunächst stimme ich der Aussage voll und ganz zu: die Ruder-Bundesliga ist Leistungssport. Oder würden Sie Sportler, die ein Trainingspensum von bis zu sieben Trainingseinheiten pro Woche absolvieren, etwa als Breitensportler bezeichnen? Wir müssen uns von dem Gedanken lösen, dass sich Leistungssport im Bereich von 10-14 Trainingseinheiten pro Woche abspielt. Meine Definition sieht so aus, dass man in drei Bereiche unterteilt:
a)   
Hochleistungs-/Spitzensport, der als Ziel die Teilnahme an internationalen Wettkämpfen wie Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen vorsieht
b)   
Leistungsport, der die Teilnahme an Deutschen Meisterschaften, Landesmeisterschaften und regionalen Regatten als Ziel verfolgt
c)   
Breiten-/Freizeit- und Gesundheitssport

Ich denke, Sportler, die bei Olympia rudern wollen, werden auch weiterhin ihren Weg auf der olympischen 2.000 Meter Distanz suchen und diesen gehen. Ferner zeigen unsere Erfahrungen, dass die Vermarktung der RBL-Teams den Vereinen und damit auch den Nachwuchsstützpunkten und damit dem Hochleistungssport zu Gute kommt.

Die RBL ist eine Ergänzung zum klassischen Leistungsport der Mitteldistanz, die die Vielfalt im Regattakalender des Deutschen Ruderverbandes mit einem Mix aus Langstrecke, Mitteldistanz und Kurzstrecke steigert. Ich kenne dementsprechend auch keine Meinung der Stützpunkte, dass die RBL kritisch gesehen wird – im Gegenteil: die Nachfragen nach einer eigenen Junioren-Bundesliga, die den jungen Sportlern unter 19 Jahren ein weiteres, attraktives Regattaformat als Ergänzung zum 2000-Meter-Mitteldistanz-Rudern im Hochsommer anbietet, häufen sich.

Bundesligamagazin: Die RBL so heißt es, soll jedem etwas bieten, dem Breiten- und Leistungssportler, dem ehemaligen Olympioniken und nicht zuletzt dem Zuschauer.  Wenn man erstmals von der Idee hört, denkt man oftmals den Drachenbootfahren. Würden Sie den Vergleich zulassen?

Nils Budde:

Also hier würde ich zunächst einmal eine grundsätzliche Unterteilung in den Bereich des aktiven Teilnehmersports und den Bereich des passiven Zuschauersports vornehmen. Im Bereich des Teilnehmersports würde ich deutlich wiedersprechen. Unsere Erfahrungen der ersten beiden Jahre nach Gründung der Bundesliga haben uns gezeigt, dass das Format für reine Breitensportler eine ganz klare Überforderung darstellt. Beim Drachenboot-Sport kann sich jeder Breiten- oder gar Nichtsportler ins Boot setzen und nach einer einzigen Trainingseinheit bereits ein Rennen gewinnen.

Alleine die Tatsache, dass im Gründungsjahr der RBL 2009 der damalige Tabellenführer vom Crefelder Ruder-Club den Deutschen Achter in einem Show-Rennen in Ratzeburg auf der 350 Meter-Sprintdistanz um 4/100 Sekunden hinter sich ließ, zeigt doch, dass es sich bei der RBL mindesten um Leistungs- wenn nicht gar Hochleistungssport handelt. Vom rein sportlichen Wert und Niveau liegen wir in der Bundesliga deutlich über den Darbietungen des Drachenboot-Sports, da wir mit annähernd 200 aktiven und ehemaligen Kader-Sportlern eine sportliche Qualität vereinen, die seines gleichen sucht.

Im Bereich des Zuschauersports gebe ich Ihnen recht, dass wir uns mit den Darbietungen am Drachenboot-Sport orientieren, wobei wir viele Veranstaltungen auf diesem Gebiet in puncto Inszenierung nach zwei Jahren bereits hinter uns gelassen haben.

Von: Melanie Maleike

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